Mining

Wie viele Elemente stecken in einem Smartphone?
Ein Smartphone enthält mehr als 50 verschiedene Elemente, darunter seltene und aufwändig zu gewinnende Metalle. Ausserdem wird für das Polieren der Bildschirme die Seltene Erde Cer verwendet: In diesem Fall wird ein Element benötigt, das im fertigen Produkt gar nicht enthalten ist.

Metals never die

Viele dieser Elemente sind in unserer Umgebung alltäglich, wie Sauerstoff, Kohlenstoff oder Silizium. Dazu kommen Elemente, bei denen das Recycling schon seit Jahrzehnten gut funktioniert, zum Beispiel Silber. Das Recycling von Eisen („Schrotthandel“) wird schon seit Tausenden von Jahren betrieben – in jedem heute verwendeten Eisenstück stecken ein paar Eisenatome, die schon seit der Eisenzeit in Umlauf sind. Das ist eines der Axiome bei der Gewinnung, Verwendung und Ablagerung von Metallen: „Metals never die“ (Rainer Bunge, Hochschule Rapperswil).

Metals never die

Schweizerische Metallhandels AG Deutschland, Embrach, Schweiz: Wismut als Wertanlage

Ein Metall kann nicht vernichtet oder „entsorgt“ werden. Es kann allenfalls so stark mit anderen Stoffen vermischt werden, dass ein Recycling technisch nicht mehr machbar oder schlicht unwirtschaftlich ist. Rohstoffe ’vernichten’ durch Vermischen.

Wo liegen die Probleme

Problematisch sind Elemente, bei denen

  • eine Rohstoff-Verknappung absehbar ist, weil der Bedarf steigt und das Recycling nicht funktioniert (Seltene Erden)
  • die Gewinnung massive Umweltprobleme verursacht (Seltene Erden, Gold)
  • der Abbau in Ländern mit niedrigen Sozial- und Umweltstandards erfolgt (Seltene Erden, generell fast alle Metalle)
  • der Abbau in Kriegs- und Krisengebieten erfolgt („Konfliktrohstoffe“), z.B. Kobalt, Tantal, Zinn, Kupfer aus der Demokratischen Republik Kongo

Globalisierung auf dem Rohstoffmarkt

Im Zuge der Globalisierung ist folgende Tendenz erkennbar: Rohstoffe werden nicht mehr zwangsläufig dort abgebaut und verhüttet, wo die höchsten Konzentrationen der Rohstoffe vorliegen und die Anbindung an vorhandene Infrastruktur und Absatzmärkte gut ist, z.B. Kohle aus dem Ruhrgebiet. In den letzten Jahrzehnten wurden neue Minenstandorte bevorzugt in Ländern mit niedrigen Umwelt- und Sozialstandards errichtet. Da der weltweite Transport wegen des niedrigen Ölpreises unverhältnismässig billig ist und Handelsbeschränkungen weitgehend weggefallen sind, spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle, wo die Rohstoffe geografisch liegen.

Ein eindrückliches Beispiel für diese Entwicklung ist die Förderung und Verhüttung von Seltenen Erden, insbesondere Neodym, bei deren Gewinnung erhebliche Mengen an radioaktivem Thorium und Uran anfallen: Potenziell förderwürdige Vorkommen in Österreich, Grönland oder anderen Ländern mit klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen werden gar nicht erst ausgebeutet. In diesen Staaten müssten für die bei Förderung und Verarbeitung anfallenden radioaktiven Begleitelemente Thorium und Uran kostspielige „End“lager gebaut werden. Ausserdem verursachen hohe Strahlenschutzauflagen und weitere Gesetze zum Schutz der Minenarbeiter zusätzliche Kosten, Landeigentümer müssten entschädigt werden, (im Einzelfall durchaus berechtigte) Einsprachen von Umweltverbänden könnten Genehmigungsverfahren verzögern etc.

00:00

Audioessay Objektbiografie Smartphone/Neodym (10:11)